Selber­machen ändert das eigene Konsum­verhalten

Handwerker und TV-Moderator Mick Wewers über Heimwerker und Herausforderungen.


Wurzeln

1 Was hat Sie dazu bewegt, einen handwerklichen Beruf zu erlernen?

Mein Vater hat mich im Grunde genommen dazu bewegt, Schreiner zu werden. Er selbst ist – obwohl er lange Zeit als kaufmännischer Angestellter gearbeitet hat – ein leidenschaftlicher Autodidakt im Bereich Holzverarbeitung. In meiner Kindheit hatte er sich eine Werkstatt im Keller eingerichtet, und ich durfte natürlich so oft ich wollte zuschauen, was man so alles aus Holz anfertigen kann. Später konnte ich ihm dann bei größeren Projekten helfen. Er hat mir, als ich 16 Jahre alt war, eine Lehrstelle in einer Schreinerei vermittelt.

2 Erinnern Sie sich noch an das erste „Stück“, das Sie gebaut haben?

Das war ein kleines Segelschiff aus einem Stück Dachlatte, einem Holzdübelstab, kleinen Nägeln, etwas Papier und zwei Gummis. Zuerst durfte ich an der großen Bandsäge die Dachlatte an einem Ende spitz zuschneiden. In die Mitte der Dachlatte habe ich dann an der Standbohrmaschine ein kleines Loch gebohrt, darin einen 10 Zentimeter langen Holzdübelstab als Mast verleimt, ein dreieckiges Segel aus Papier zugeschnitten und am Mast festgeklebt. Zum Schluss habe ich dann noch an den Außenseiten der Latte ringsherum mehrere kleine Nägel eingeschlagen und zwei dünne Gummis darum gespannt. Das war dann die Reling. Fertig war mein erstes selbst gebautes Projekt.

3 Ihr favorisiertes Werkzeug – und warum?

Mein favorisiertes Werkzeug ist immer das von mir in diesem Moment benötigte Werkzeug. Es gibt also nicht wirklich eins.

Wer nicht mit der Zeit geht, der geht mit der Zeit. 

Mick Wewers

Mick Wewers - Heimwerker aus Leidenschaft

Objektdesigner, Schreiner, Schlagzeuger, Künstler und Moderator: Der gebürtige Kölner Mick Wewers führt ein gut gefülltes Leben. Heimwerken ist die Leidenschaft des 48-Jährigen. Die lebt er nicht nur in der heimischen Werkstatt voll aus, sondern auch auf vielen Kanälen, darunter Pro Sieben, VOX und dem ZDF. Bei den Mainzern ist der sympathische Rheinländer für die Sendungen „Volle Kanne“ und den „Fernsehgarten“ im Einsatz und bearbeitet die Themen Wohnen und Design.

Geht nicht gibt’s seiner Meinung nach nicht. Patent und praktisch sind dann auch die Tipps zum Bauen und Wohnen, die Wewers im Rahmen der ISB-Veranstaltungsreihe „Immobilie gut – alles gut?“ gibt.

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Standpunkte

4 Selbermachen ist im Trend und Handarbeiten und Handwerk sind als Hobbys längst ihr einst verstaubtes Image los. Ändert sich dadurch auch unsere Wertschätzung von Dingen, unser Umgang mit Konsum?

Auf jeden Fall ändert sich für jemanden, der selbst etwas geplant und gebaut oder angefertigt hat, die Einstellung zum Wert und dementsprechend auch zum zukünftigen Konsumverhalten. Ich betrachte die von mir angefertigten Sachen mit einem ganz anderen Auge als billige, im Vorfeld schon zum Wegwerfen verurteilte Gegenstände. Die notwendige Zeit, das Geld, die Energie – alles verbindet man immer, wenn auch manchmal nur unbewusst, mit einem Projekt. Auch Recycling und Nachhaltigkeit spielt dabei eine große Rolle.

5 Rund fünf Millionen professionelle Handwerker aus 130 Gewerken arbeiten in Deutschland. Unterschätzen wir ihre Bedeutung?

Ich glaube nicht, dass die Bedeutung unterschätzt wird. Ohne das Handwerk hätte sich die Gattung Mensch gar nicht soweit entwickeln können. Alleine die Zahl „fünf Millionen“ ist doch schon eine Aussage und steht für sich. Es kann natürlich sein, dass man dem Handwerk, das schon solange Bestandteil einer Gesellschaft ist, in der rasend schnellen Zeit der Computer und deren permanenten Weiterentwicklung nicht mehr die Aufmerksamkeit schenkt, wie vor 100 Jahren.

6 Woran erkennt man einen guten Handwerker?

Einen guten Handwerker erkennt man natürlich an seinem Können und Fachwissen, aber vor allem an der Fähigkeit, ein plötzlich entstandenes Problem zu lösen. Des Weiteren an seiner Zuverlässigkeit und der Beratung. Aber definitiv auch an seinem Gewissen. Ein guter Handwerker sollte niemals denken: „Ach, diesen kleinen Fehler bekommt doch keiner mit.“ Er sollte auf gewisse ungünstige Zustände aufmerksam machen und nicht einfach seine Arbeiten durchziehen nach dem Motto: „Mir doch egal.“

Ausblick

7 Stichwort Energiewende: Welchen Herausforderungen muss sich der Beruf Handwerker in den nächsten Jahren stellen?

Die Herausforderungen bestehen möglicherweise für alle Berufe in der heutigen Zeit darin, sich immer und möglichst schnell den jeweiligen Gegebenheiten anzupassen und in Entwicklung und Erneuerung zu investieren. Dazu ist leider auch immer eine vorherige klare Aussage von Politik und Wirtschaft notwendig. Das Handwerk wird sich dann immer den jeweiligen Herausforderungen, wie beispielsweise denen der Energiewende, stellen können.

8 Handwerk hat Tradition. Welcher Aspekt davon ist wichtig, ist zukunftsfähig?

Wer nicht mit der Zeit geht, der geht mit der Zeit.

9 Was haben Sie in den nächsten fünf Jahren beruflich und privat erreicht?

Ich würde gerne weiterhin versuchen, anderen Menschen Kreativität und Eigeninitiative zu vermitteln. Am liebsten genauso wie in den letzten 14 Jahren. „Do it Yourself“ war, ist und wird auch in Zukunft das Motto heißen. Ich habe und möchte den „selbsternannten, unbegabten Heimwerkern“ vermitteln, dass Handwerk keine Zauberei ist und jeder auf seine Art und Weise in der Lage sein kann, zumindest kleinere Herausforderungen, wie eine Wand zu streichen, ein Siphon zu wechseln oder mit der Stichsäge etwas zuzuschneiden, anzunehmen. Das ist mir in den letzten Jahren gelungen und sollte auch in Zukunft möglich sein. |