Meister­stücke aus Metall

Sebastian Schreiber ist frisch gekürter Träger des Pfalzpreises.


Sebastian Schreiber kommuniziert mit der Welt durch Messing, Aluminium und Stahl. Er ist Kunstschmied und gelernter Metallbauer, im wörtlichen Sinne ein Meister seines Fachs. Andere Kreative drücken sich in Farbe oder Klang aus, er durch fast seidig geschliffene Oberflächen, perfekte Rundungen, auf den Millimeter exakt in Form gebrachte Ecken und eine gekonnte Mischung unterschiedlichster Materialien.

Seine Arbeiten sind mehrfach ausgezeichnete Kunstwerke. Gerade erst vor ein paar Wochen hat er den renommierten und mit 10.000 Euro dotierten Pfalzpreis für Kunsthandwerk gewonnen. Bereits im Vorjahr erhielt er in der gleichen Kategorie den Förderpreis beim Staatspreis Rheinland-Pfalz. Die Jury lobte damals wie heute die „außerordentliche handwerkliche Qualität“ seiner Metallarbeiten, seinen „feinfühligen Umgang mit dem Werkstoff“ und seine „große Qualität als Gestalter“. Trotzdem liegt es dem 25-Jährigen fern, sich selbst als Künstler zu bezeichnen. Eher schon als Ideenfinder, Macher, Anpacker, Tüftler, Formgeber. Als Handwerker.

„Es ist fantastisch, mit einem Material zu arbeiten, das Dauerhaftigkeit besitzt und endlos kombinierbar ist mit Holz, Glas und Kunststoff“, sagt er. „Das öffnet Raum für viele, viele Ideen. Diese kreativen Momente sind mir so wichtig wie die unmittelbare Umsetzung und Realisierung einer Idee.“ Dabei ist „unmittelbar“ ein Begriff, den Schreiber mit viel Geduld füllt. Rund 400 Stunden Arbeit stecken alleine in dem einzelnen Platzteller, der ihm den Pfalzpreis brachte. „Eines meiner kürzeren Projekte“, erklärt er lachend. Seine Unikate entstehen nach Feierabend und an den Wochenenden. Denn die gut gefüllten Arbeitstage verbringt er im Betrieb seines einstigen Lehrmeisters Bernd Funk, in den Werkstätten für Metallgestaltung Offenbach.

Der Onlinehandel verändert unsere Idee vom Wert einer Sache. 

Sebastian Schreiber
Kunstschmied und Metallbauer

Es ist das vertrackte Verhältnis zwischen Handwerker und Produkt, das ihn antreibt und nicht loslässt. Der Wille, etwas aus Metall herauszuholen, was auf den ersten Blick nur für ihn sichtbar ist. Wenn er darüber spricht, klingt er wie ein Bildhauer, der die Seele seiner Kunstwerke bereits entdeckt hat, wenn noch das rohe Material vor ihm liegt.

Sein Onkel war Industrieschmied. In seiner heimischen Werkstatt bearbeitete Schreiber bereits mit 16 Jahren Metall und ab diesem Moment, sagt er, „war für mich klar: das kann ich, will ich, mach ich“.

Nach dem Abitur fing der gebürtige Ludwigshafener bei Funk eine Ausbildung an. Seinen schulischen Teil absolvierte er im badenwürttembergischen Göppingen, weil es an seiner lokalen Berufsschule in Rheinland-Pfalz nicht genug kreatives Kopffutter gab für einen, der mehr wollte, als Schlosser sein. In Göppingen lehren sie an der Berufsschule für Metallgestaltung nicht nur die traditionellen und modernen Seiten des Handwerks, sondern fördern und fordern auch den Willen zur Gestaltung. Nach Göppingen ist er in diesem Jahr zurückgekehrt, um seinen Meister zu machen. In dieser Zeit entstand ein Schreibtisch, der minimalistisch und effizient den Stil des klassischen Bauhauses wiederbelebt.

Der Göppinger Schule, sagt Schreiber, verdankt er sein Interesse an schlichter, reduzierter Formsprache. Weniger ist mehr. „Reduktion, so weit es geht“, ist sein Ziel. Gestalterische Schlichtheit und Reinheit sind für ihn eine Tugend. „Meine Ideenfindung fängt auf Papier an. Man spinnt herum, skizziert, zeichnet und 99 Prozent davon landet im Papierkorb.“ Das eine Prozent, den hart erarbeiteten Glücksmoment, setzt er als Modell in Karton um und bemalt es mit Buntstiften, damit er Proportionen und Farbgebung überprüfen kann. Aber auch das Zusammenspiel von einer Gabel mit einem Teller auf einem Tisch in einem Raum interessiert ihn. Schreiber denkt nicht in einzelnen Objekten, sondern setzt die Dinge in Beziehung zueinander.

Natürlich können auch Maschinen wunderbare Stücke produzieren. Aber nie werden sie die Seele besitzen, die Schreibers Arbeiten mitbringen. Als Handwerker erlebt er fast täglich den Zwiespalt zwischen „Handarbeit“ und moderner Massenware. „Unsere Art miteinander zu kommunizieren und der Onlinehandel, verändern unsere Idee vom Wert einer Sache und von der Zeit, die man in ihre Entwicklung investiert. Alles ist sofort verfügbar, alles ist da. Hauptsache es geht billig und schnell. Und trotzdem wird für vieles mit dem Begriff Tradition geworben, was völlig in die Irre führt. Dass wir Kunstschmiede und Metallbauer diese Tradition tatsächlich leben und für unsere Arbeit Zeit brauchen, das verstehen manche Kunden nicht. Aber es gibt immer noch Menschen, die genau das schätzen.“ Gut so. |