Luft zum Atmen

Sie sind klein, unscheinbar – und äußerst gefragt: Wie die Drucksensoren der Mainzer Firma Analog Microelectronics jetzt weltweit Leben retten.


Januar 2020. Die Corona-Krise ist für die meisten in Europa noch weit weg, eine Epidemie in Asien. Kontaktbeschränkungen? Maskenpflicht? Stillstand? Diese Begriffe kommen im Wortschatz der hiesigen Bevölkerung nur theoretisch vor. Nadine Rauch ist allerdings schon einen Schritt weiter: „Wir haben bereits früh direkte Informationen von unserem Distributor in China bekommen“, erzählt die Geschäftsführerin von Analog Microelectronics aus Mainz. „Vor allem haben wir die Warnung sehr ernst genommen, dass es bald eng werden könnte mit der Beschaffung von Komponenten aus Asien, deswegen haben wir unsere Lager hier in Mainz sofort vollständig gefüllt.“ Genau die richtige Entscheidung, denn so konnte das Unternehmen ohne Unterbrechung produzieren – und das genau zu einem Zeitpunkt, zu dem die Nachfrage immens anstieg.

Seit 1991 produziert das mittelständische Unternehmen, das heute 16 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat, elektronische Bauteile. Die ISB begleitet das Unternehmen langjährig mit Beteiligungskapital. Im Laufe der Zeit hat sich Analog Microelectronics der Sensortechnologie zugewandt und produziert intelligente Sensoren, die nicht nur den Druck messen, sondern den Messwert weiterverarbeiten und in ein elektronisches Signal umwandeln. Das Know-how des Unternehmens liegt in der Herstellung und vor allem der individuellen Programmierung dieser Drucksensoren. Anwendung finden sie überall dort, wo über die Druckmessung Steuerungsfunktionen stattfinden, zum Beispiel in Vakuumpumpen, intelligenten Ventilen, aber auch in Zahnarztstühlen oder Matratzen mit Luftkammern in Krankenhausbetten.

„Als sich die Pandemie dann auch in Europa immer mehr verstärkte, wurde klar: Die Krankenhäuser benötigen schnell mehr Beatmungsgeräte – und die wiederum arbeiten mit unseren Drucksensoren“, erklärt Nadine Rauch. „Vereinfacht gesagt wird durch Drucksensoren der Atemfluss gesteuert, also wie viel Luft in die Lunge des Patienten gegeben und wieder abgesaugt wird.“ Eine Messung, die über Leben und Tod entscheiden kann.

Dank des gut gefüllten Lagers und des Engagements der Belegschaft konnte Analog Microelectronics sofort Sensoren entsprechend herstellen und in alle Welt liefern. „Als systemrelevantes Unternehmen haben wir natürlich alles für die Produktionssicherheit getan“, so Nadine Rauch. „Wir konnten nicht riskieren, dass bei uns wegen eines Corona-Falls alles stillsteht.“ Deshalb wurden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Produktion schon früh in zwei Schichten eingeteilt, die sich wochenweise abwechselten.

Und was bringt die Zukunft? Das nächste Thema ist schon in greifbarer Nähe: Luftreinigungsgeräte gegen Viren. Auch dafür werden Drucksensoren gebraucht: Sogenannte Differenzdrucksensoren messen vor und hinter dem Filter den Druckunterschied – so weiß man, ob der Filter gut funktioniert oder schon voll ist und ausgetauscht werden muss. „Genau solche Luftreiniger werden im kommenden Corona-Winter massiv gebraucht, wenn in geschlossenen Räumen wie Klassenzimmern und Großraumbüros nicht ständig die Fenster geöffnet werden können“, so Nadine Rauch. „Das spüren wir schon jetzt deutlich, und auch darauf sind wir vorbereitet.“ |

Eine Messung, die über Leben und Tod entscheiden kann. 

Nadine Rauch
Geschäftsführerin Analog Microelectronics GmbH