Gemeinsame Zukunft

Manchmal muss man Geduld haben – und die Zuversicht, dass es doch noch klappen wird: Nach Jahren mit Höhen und Tiefen wird der Traum von Ulrike und Reinhard Zocher und ihren Freunden endlich wahr.


Es war uns wichtig, hier Menschen zu integrieren, die es vielleicht nicht so leicht haben. 

Ulrike und Reinhard Zocher
Genossenschaft „Froh2Wo“

Eigentlich war das Projekt ein paar Nummern kleiner geplant. Zusammenziehen mit einigen Freunden, auf einem Hof vielleicht oder in einem großen Haus – so hatten sich die Zochers das vorgestellt. „Es ist doch schön, wenn man im Alter mit Freunden zusammenlebt, haben wir uns gedacht“, erzählt Ulrike Zocher.

Wenn der Ingenieur und die Ärztin heute auf der Baustelle in Bad Dürkheim stehen, müssen sie allerdings schmunzeln. Aus dem „Zusammenziehen mit einigen Freunden“ ist längst das genossenschaftliche Großprojekt „Froh2Wo“ geworden: Insgesamt 41 Parteien werden im Herbst 2021 in die vier Gebäude einziehen, die Außenwände stehen schon. Es wird Wohnungen in ganz verschiedenen Größen sowie Gemeinschaftsräume geben. „Wir freuen uns schon sehr darauf – gerade, weil wir zwischendurch schon manchmal die Zuversicht verloren hatten, dass es überhaupt noch klappt.“ Immer wieder machte die Realität den Zochers und ihren Freunden einen Strich durch die Rechnung: Erst war kein passendes Objekt zu finden, dann stand der Denkmalschutz im Weg, und schließlich gab es keine Genehmigung für einen Umbau.

„Dann haben wir die Möglichkeit bekommen, in Bad Dürkheim ein gut 4.600 Quadratmeter großes Grundstück zu erwerben – und zwar in Erbbaurecht als Genossenschaft. Genossenschaft: Das gehörte von Anfang an zu unserem Plan, in dieser Größe allerdings hatten wir das eigentlich nicht vorgesehen.“ Aber absagen? Kam nicht in Frage. „Wir haben gemeinsam mit unseren Freunden überlegt, was wir tun können, und nach wenigen Beratungen haben wir gesagt: Das machen wir.“ Bei einer Genossenschaft kaufen die Mitglieder Anteile, später bezahlen sie als Bewohner zusätzlich ein Nutzungsentgelt für ihre Wohnung – prinzipiell aber gehört alles allen gemeinsam. „Vor allem gefällt uns mittlerweile der Gedanke, dass wir hier mit Menschen ganz verschiedenen Alters zusammenleben werden“, so Ulrike Zocher. Über jeden neuen Bewohner entscheiden die Genossenschaftsmitglieder gemeinsam. Damit wird gewährleistet, dass nur Menschen einziehen, die tatsächlich so leben möchten – schließlich soll der Strom gemeinsam bezogen werden, Car-Sharing ist ebenso geplant wie eine Boule-Bahn im Außenbereich. Gemeinsame Freizeitaktivitäten sind ausdrücklich gewünscht, Wandern zum Beispiel sowie Yoga und Musizieren in den Gemeinschaftsräumen.

Die insgesamt 41 Wohnungen werden zwischen 50 und 100 Quadratmeter groß sein, 13 von ihnen sind durch günstige Darlehen der ISB gefördert und an Genossenschaftsmitglieder vergeben, die unterhalb bestimmter Einkommensgrenzen liegen und einen Wohnberechtigungsschein haben. „Es war uns wichtig, hier Menschen zu integrieren, die es vielleicht nicht so leicht haben“, sagt Ulrike Zocher.

Sie freut sich schon sehr auf den Herbst 2021, wenn alle in ihre neuen Wohnungen einziehen können. „Manchmal, wenn wir die Baustelle sehen, können wir es kaum glauben“, sagen die Zochers und ihre Freunde. „Es ist so schön zu sehen, dass es trotz aller Hürden und auch Corona gute Fortschritte gibt – und vor allem: dass der Traum endlich Wirklichkeit wird.“ Der Traum vom Zusammenziehen – wenn auch in anderen Dimensionen als ursprünglich geplant. |