Musik im Container

Bezahlbares Wohnen, Gemeinschaft, Kultur – auch das gehört zum Thema Verantwortung. In Mainz wird das Paulinerheim künftig in zwei Wohngemeinschaften Platz für 20 Studierende bieten, die eines können sollten: den richtigen Ton treffen.


Ein Montagabend in Mainz-Gonsenheim. Zur Chorprobe sind fast fünfzig Teilnehmer gekommen, Frauen und Männer, manche studieren noch, andere sind längst berufstätig. Es ist etwas eng, derzeit müssen Container als Probenraum ausreichen – dafür ist das Repertoire umso breiter: unterhaltende Lieder und Messen, Filmtitel und Opernmelodien. „Wir haben schon einen hohen Anspruch, wir geben ja zweimal im Jahr ein großes Konzert“, erklärt Stefan Fuhrmann von den Alten Herren. „Auch wenn nicht jeder von uns Gesangsprofi ist“, fügt er schmunzelnd hinzu

Stefan Fuhrmann

Ohne die ISB hätten wir das Projekt nicht stemmen können. 

Stefan Fuhrmann
Alte Herren der Leipziger Universi­tätssängerschaft zu St. Pauli

Alle Sängerinnen und Sänger gehören zur „Leipziger Universitätssängerschaft zu St. Pauli“. Entstanden 1822 in Leipzig, ist sie nach dem Zweiten Weltkrieg nach Mainz umgezogen. Bis heute steht die Musik im Mittelpunkt: Die Mitglieder singen im Chor, viele spielen ein Instrument. Und einige von ihnen wohnen im Paulinerheim – genauer gesagt: zurzeit ebenfalls in Containern auf dem Grundstück, denn das alte Gebäude aus den Fünfzigern wurde gerade abgerissen. „Es war einfach nicht mehr zeitgemäß, mit nur einer Dusche auf dem Flur für mehrere Studierende“, so Stefan Fuhrmann.

Im neuen Paulinerheim wird es zwei Wohngemeinschaften für jeweils zehn Personen geben, jeder hat sein eigenes 20-Quadratmeter-Zimmer und ein eigenes kleines Bad. Küche und Gemeinschaftsräume werden nach wie vor geteilt: „Uns ist es wichtig, dass die Bewohner sich treffen und auch wirklich zusammenleben.“ Und so wird das Projekt von der ISB als Wohngemeinschaft gefördert. Voraussetzung dafür ist einerseits die Barrierefreiheit, andererseits darf die Miete einen festgesetzten Preis pro Quadratmeter nicht übersteigen. Ein Zimmer wird am Ende rund 6,40 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter kosten, das liegt weit unter der Mainzer Durchschnittsmiete. Im Dachgeschoss soll es zudem Gemeinschaftsräume, Gästezimmer und ein Notenarchiv geben. Ein großer Saal wird für Konzerte bereitstehen, dazu mehrere Probenräume. „Ohne die ISB hätten wir das Projekt nicht stemmen können“, betont Fuhrmann.

Die Bodenplatte für das neue Gebäude liegt mittlerweile, voraussichtlich im Frühjahr 2021 werden die Studierenden von den Containern in das Haus umziehen können. Doch auch während der Bauphase findet das Vereinsleben statt, jetzt eben in Containern. „Es ist uns ganz wichtig, dass wir das nicht einschlafen lassen“, so Stefan Fuhrmann. „Auch wenn wir improvisieren müssen: Wir treffen uns weiterhin regelmäßig zum Singen, feiern gemeinsam Feste und geben unsere Konzerte.“ Wenn es sein muss, auch mal auf der Baustelle. |